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Milch

Alissa Hamilton: Die Milch macht’s

Milch, eine in besonderen Drüsen weiblicher Säugetiere und der Frau zum Zwecke der Ernährung ihrer neugeborenen Jungen abgesonderte wässerige Lösung von Proteinen, Milchzucker, und Milchfett, in der Fett sehr fein (emulsionsartig) verteilt ist. Kuhmilch ist das perfekte Nahrungsmittel für neugeborene Kälber, die schnell groß werden und ihr Körpergewicht innerhalb von nur 45 Tagen verdoppeln. Menschen wachsen deutlich langsamer; gesunde Säuglinge verdoppeln ihr Körpergewicht erst in drei bis fünf Monaten. Die ausgewachsene Kuh verfügt später über 490 g Gehirnmasse, beim Menschen sind es durchschnittlich 1245 g (Frauen) bis 1375 g (Männer). Gehirnmasse und Intelligenz stehen in keinem Zusammenhang, der Vergleich zeigt allerdings, dass die Entwicklung des Gehirns bei Kuh und Mensch unterschiedliche dietätische Anforderungen an die Milch stellt. So gehen neuere wissenschaftliche Studien der Frage nach, ob Stillen die Intelligenz fördert1 2 3 4.

Im Erwachsenenalter kann die Lactose in der Milch nicht mehr verdaut werden, weil das zum Aufspalten des Milchzuckers erforderliche Enzym Lactase nur von Jungtieren produziert wird. Lactase ist bei Säugetieren also zunächst vorhanden, aber eben nicht dauerhaft, sie ist nicht persistent. Viele Experten bezeichnen den Zustand der Lactose-Intoleranz deshalb treffender als Lactase-Impersistenz. Etwa 75 Prozent der Menschen sind im Erwachsenenalter Lactase-Impersistent, sie vertragen keine Milch, und das ist gut so. Bei Menschen nordeuropäischer Abstammung kann eine seltene Mutation vorliegen, sie produzieren auch im Erwachsenenalter noch genug Lactase und leiden weniger oder gar nicht unter den sonst üblichen Verdauungsschwierigkeiten beim Milchkonsum. In Zeiten der Not, nachdem schlechtes Wetter oder Krieg die Ernte zerstört hatten, war Lactase-Persistenz eine Art Lebensversicherung: die eigene Kuh war im Stall oder während der Flucht mit Gras und Heu vollauf zufrieden, und man konnte ihre süße, fette, und kalorienreiche Milch trinken, falls zum Käsen oder Fermentieren keine Zeit blieb.

In den modernen Industriestaaten Mitteleuropas und Nordamerikas muss niemand mehr verhungern; selbst auf Panikkäufe vor Weihnachten und Ostern sind unsere Supermärkte bestens vorbereitet, weshalb das Milchtrinken als lebensrettende Notfallmaßnahme bedeutungslos geworden ist. Wenn es um essentielle Nährstoffe geht, sieht Milch im Vergleich mit anderen Lebensmitteln ziemlich alt aus. Mehr noch: neuere wissenschaftliche Studien sehen im Verzehr von Milch und Milchprodukten mögliche Ursachen für Osteoporose, chronische Entzündungen, Immunschwäche, Diabetes, Krebs, und vorzeitiges Altern.

Bibliographie

  • Hamilton A.: Die Milch macht’s — Wie ein Grundnahrungsmittel unsere Gesundheit ruiniert. (München, 2015)
  • Krieger Dr. E.: Die Milchlüge: Die Milch macht’s leider doch nicht. (München, 2015)
  • Rollinger M.: Milch besser nicht: Ein kritisches Lesebuch. (Trier, 2013)

1. Neubauer, K.: Muttermilch-Studie: Gestillte Kinder haben später höheren IQ — Spiegel, 19.03.2015
2. Uhlmann, B.: Muttermilch macht Besserverdiener — Süddeutsche Zeitung, 18.03.2015
3. Burger, K.: Milch macht keinen Unterschied — Süddeutsche Zeitung, 05.05.2014
4. Findeklee, A.: Macht Muttermilch schlau? — Spektrum der Wissenschaft, 04.03.2011