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Phthalsäureester

Phthalsäureester (Phthalate) sind Weichmacher für Kunststoffe die weich, durchsichtig, und stabil sein sollen; Anforderungen, die etwa bei der Produktion von Lebensmittelverpackungen relevant sind. Phthalate sind im Kunststoff nicht fest gebunden, sie dünsten aus, können ausgewaschen oder abgerieben werden. Phthalate gelangen über die Atemluft und durch die Nahrung in den menschlichen Organismus. Fette Nahrungsmittel wie Milch, Butter, und Fleisch gelten als Hauptquellen. Phthalate können sich im Körper anreichern, so kann es selbst bei kleinen Aufnahmemengen zu Wechselwirkungen mit anderen chemischen Substanzen kommen, die einen kumulativen, schädigenden Cocktail-Effekt auslösen.

Der menschliche Organismus nimmt PVC-Weichmacher in höheren Mengen auf, als bisher angenommen. Besonders gefährdet sind Kinder. Die weit verbreiteten Weichmacher Phthalate gelten als höchst gesundheitsgefährdend, weil sie in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen und die Fortpflanzung bzw. Entwicklung schädigen. Niedermolekulare Phthalate (DEHP, DBP, u.a.) stehen im Verdacht, als endokrine Disruptoren für Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes beim Mann verantwortlich zu sein.

Wie eine am 16.03.2004 veröffentlichte Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über Ergebnisse eines Forschungsprojektes ergab, ist die Menge an Phthalaten, die der Mensch aus der Umwelt aufnimmt, größer als bisher vermutet. Forscher der Universität Erlangen bringen sie in Verbindung mit dem seit Jahrzehnten beobachteten Rückgang der Spermienzahlen und damit der männlichen Fruchtbarkeit.

Auch die Zunahme von Hodenkrebsfällen und Missbildungen der männlichen Geschlechtsorgane wird im Zusammenhang mit der Phthalatbelastung diskutiert. Der Mensch nimmt die Phthalate vorwiegend mit der Nahrung und der Atemluft auf. Auf diesem Weg gelangen sie in den Organismus, wo sie auf den Hormonhaushalt wirken.

Besondere Gefahr für Kinder

Vor allem Kinder nehmen größere Mengen der Stoffe aus der Umwelt auf, als bisher bekannt. In bestimmten Baby- und Spielzeugartikeln aus Weich-PVC sind Phthalate in hoher Konzentration enthalten und gefährden somit die Gesundheit von Kleinkindern, wenn sie an den Gegenständen (Beißringe, Badewannentiere, Kunststoffbücher, Quietschtiere) lutschen oder sie häufig in den Mund nehmen.

In der Umwelt allgegenwärtig

Phthalate wie der Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) gehören zu den wichtigsten Industriechemikalien und werden jährlich in einer Menge von 2 Millionen Tonnen erzeugt; 90% davon werden dem PVC als Weichmacher (in Konzentrationen bis zu über 50% der Gesamtmasse) zugesetzt. Phthalate kommen aber auch in vielen anderen Bereichen zum Einsatz, etwa bei der Herstellung von Körperpflegemitteln und Textilien. Da sie aber im Kunststoff nicht chemisch gebunden sind, können sie auch wieder entweichen. Nachdem Phthalate aber auch relativ beständig und darüber hinaus fettlöslich sind, reichern sie sich in der Umwelt an und können in der Nahrungskette kumulieren.

Es gibt eine Reihe biologischer Alternativen, die unbedenklich und teurer sind als Phthalate. Das Umweltbundesamt1 plädiert für den Ersatz des phthalatehaltigen Weich-PVC durch Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP).

DGE warnt vor Weichmachern in Plastik: Phthalate begünstigen Diabetes Typ 2 und andere Krankheiten
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, 2012

Vergällungsmittel in Kosmetika – Gesundheit ist zweitrangig
Dr. Hans Lautenschläger, Kosmetik Konzept KOKO GmbH & Co.KG

Hauptsache haltbar - gefährliche Verpackungen
NDR ARTE, 2010


1. Phthalate — Die nützlichen Weichmacher mit den unerwünschten Eigenschaften
Umweltbundesamt, 2007