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Dickmacher

Fettleibigkeit hat sich in nur 30 Jahren zu einer weltweiten Epidemie entwickelt: gut 30 Prozent der Weltbevölkerung sind heute stark übergewichtig, und bis 2030 wird der Anteil der Betroffenen voraussichtlich auf 50 Prozent steigen. In den Jahren vor 1966 zeigen die regelmäßigen statischen Erhebungen der Gesundheitsbehörden weltweit keine Anzeichen für ein Problem mit Fettleibigkeit. Über zehntausende Jahre hinweg hat der Mensch sein Körpergewicht stabil gehalten, doch plötzlich steigt der Anteil der stark Übergewichtigen von nur 2 Prozent in den 1970er Jahren auf über 25 Prozent Ende der 1990er Jahre. Was ist passiert! Essen wir neuerdings zu viel und bewegen uns zu wenig? Sind wir an Übergewicht und Fettleibigkeit also selbst schuld, oder gibt es andere Ursachen?

Prof. Dr. John Yudkin, Physiologe und Ernährungswissenschaftler, hat in seinem 1972 erschienenen Buch »Pur, weiß, tödlich« die kommende Pandemie der Fettleibigkeit bis ins Detail vorhergesagt. Yudkin hatte sich mit der alarmierenden Zunahme arterieller Thrombosen befasst und war zu dem Ergebnis gekommen, dass weder die Gesamtmenge der aufgenommenen Nahrungsfette, noch tierische Fette oder gehärtete Fette im Einzelnen als direkte Ursache dieser Erkrankung verantwortlich sein konnten. Yudkin erkannte, dass Übergewichtige abnahmen, wenn sie weniger Kohlenhydrate zu sich nahmen. Zucker musste also eine Rolle spielen, denn Zucker liefert Kalorien, aber keine essentiellen Nährstoffe. Der Zuckerkonsum war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dramatisch gestiegen und Yudkin nahm an, dass unser übermäßiger Zuckergenuss nicht nur für Fettleibigkeit verantwortlich war, sondern auch für koronare Herzkrankheit.

Yudkins Warnung wurde nicht gehört; seine Forschungsarbeit als schlampig diskreditiert. Wissenschaftler, Gesundheitsbehörden, Medien, und die Nahrungsmittelindustrie folgten stattdessen den Erkenntnissen des amerikanischen Ernährungswissenschaftlers Ancel Keys, der gesättigte Fettsäuren als Ursache der koronaren Herzkrankheit ausgemacht hatte. In der Folge entstand die »Low-Fat Diät« – fettreduzierte Nahrungsmittel wurden als gesund eingestuft und mit großem Erfolg vermarktet. Fett ist der Geschmacksträger Nr. 1 in unserem Essen – fettreduzierte »Low-Fat« Nahrungsmittel schmecken etwa so lecker wie Pappe, also wich die Nahrungsmittelindustrie auf den anderen Geschmacksträger aus; Fett raus bedeutete: Zucker rein! Heute blicken wir zurück auf 30 Jahre »Low-Fat«, begleitet von 30 Jahren Fettleibigkeit, die Parallelen sind faszinierend.

Heimliche Dickmacher

Täglich treffen wir etwa 200 Entscheidungen rund ums Essen; gut 90 Prozent dieser Entscheidungen werden unbewusst getroffen. Wir haben weniger Kontrolle darüber, was und wie wir essen, als wir vielleicht glauben. Größere Portionsmengen verleiten dazu, 20 bis 30 Prozent mehr zu essen. Die Portionsmengen bei Fast Food, Softdrinks, und Convenience-Lebensmitteln sind im Laufe der Zeit von klein, mittel, groß, und large, bis »XL« und »Super-Size« immer größer geworden. Auch große Teller laden dazu ein, größere Portionen aufzuladen. Alkohol vor dem Essen regt die Magensäfte an und sorgt für größeren Hunger. In Gesellschaft essen, verleitet dazu, mehr zu essen. Wenn Knochen und andere Essensreste umgehend vom Tisch abgeräumt werden, essen wir mehr.

Das Auge isst mit

Farben regen den Appetit an. Forscher haben dies untersucht und Probanden Schälchen mit einfarbigen oder bunten Schokolinsen vorgesetzt. Die Testpersonen, denen bunte Schokolinsen angeboten wurden, aßen 77 Prozent mehr Schokolinsen als die Testpersonen der Kontrollgruppe.

Fettleibigkeit vorprogrammiert
Bisphenol A (BPA), Tributyltin (TBT), Phthalate, und andere hormonaktive Substanzen stehen im Verdacht, heimliche Dickmacher zu sein.
— 3SAT, 2012

Die Dickmacher - und wie wir ihnen entkommen
— quarks & co, 2008

Kalorien - 7 Dinge die Sie wissen sollten
— quarks & co, 2013